Kreuzen statt warten – der beste Plan bringt nichts!

von Torsten Peschel

Warum perfekte Planung dich echtes Wachstum kostet.

Oft hilft die beste Routenplanung und das schönste Ziel nichts, wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt.

Wer segelt, kennt diesen Moment. Der Zielhafen liegt genau in der Richtung, aus der der Wind bläst. Wer jetzt wartet, bis er dreht und perfekt steht, verliert wertvolle Zeit. Schlimmstenfalls legt er nie ab, weil das perfekte Wetter nie kommt. Wer aber ablegt und kreuzt, also abwechselnd schräg gegen den Wind segelt, kommt vorwärts. Es dauert vielleicht etwas länger als der direkte Kurs. Aber er führt ans Ziel. Ich segle seit 25 Jahren auf Atlantik, Mittelmeer, Nord- und Ostsee. Was ich dabei gelernt habe, gilt nicht nur auf dem Wasser:

Unvorhergesehenes ist unvermeidbar und kein Störfall. Es ist Normalität, dass sich Randbedingungen auf See und im Geschäftsalltag kontinuierlich ändern. Die Frage ist in erster Linie, wie man damit umgeht und ob man sich davon abhalten lässt, sein Ziel anzusteuern.

Loslegen, obwohl der Wind von vorne kommt

Als ich mein Studium der Baubetriebstechnik abschloss, steckte die Branche in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Der Wind stand direkt gegen mich. Stellen in meinem Fach gab es keine. Ich hätte warten können. Ein weiteres Studium wäre eine Option gewesen. Stattdessen legte ich in einem Unternehmen der Konsumgüterindustrie los: fachfremd, ohne Branchenkenntnis und ohne Erfahrung im Maschinenbau bzw. der Verfahrenstechnik.

Was ich hatte, reichte für den Start dennoch aus: technische Grundlagen, Lernbereitschaft, Wille, Mut und auskunftsfreudige Kollegen. Der Weg war hart und anstrengend. Er hat sich aber ausgezahlt. Nicht weil alles nach Plan lief, sondern weil ich bereit war, unterwegs die Lücken zu schließen und neues Wissen aufzubauen. Mit dieser Erfahrung hat mir die Baukrise ein großes Geschenk gemacht. Die Erkenntnisse aus dieser Zeit begleiten mich bis heute:

Anpassungsfähigkeit ist eine der Grundvoraussetzungen für unternehmerisches Handeln.

Sie kann aber nur im Tun wirken. Wer mit 80% Klarheit startet, ist nicht leichtsinnig. Er ist zielorientiert. Die verbleibenden 20% klären sich am schnellsten während der Umsetzung. Wer auf 100% wartet, wartet auf etwas, das es nicht geben wird.

Plan. Do. Check. Act: Ein Zyklus, der Fortschritt bringt

Doch wie geht man mit der verbleibenden Ungewissheit und Wissenslücken um? Als Führungskraft internationaler Einheiten habe ich erlebt, dass der Methodenansatz von Plan Do Check Act (PDCA) bei konsequenter Anwendung nachhaltig funktioniert.

In der Verantwortung für die Entwicklung einer neuen Maschinentechnologie zur vertikalen Etikettierung von Kunststofftuben hatte ich ein theoretisches Konzept und bestätigte Tests. Eine Serienanwendung mit der geplanten Geschwindigkeit gab es nirgendwo. Mit meinem Team legte ich los, ohne dass alles zu 100% abgesichert war. Die Zeit drängte und das Produkt sollte schnell auf den Markt. So waren mit Sicherheit mehr als 20% offen, als wir starteten.

Auf der Serienmaschine gab es viele Herausforderungen, von denen wir überrascht wurden. Wir hätten diese jedoch niemals am Schreibtisch erkennen und vorhersagen können, weil die Zusammenhänge unvorhersehbar waren. Maschine und Material mussten im Projekt weiterentwickelt werden. Dabei gingen Korrekturen auch in die falsche Richtung. Während der Umsetzung lernten wir aber sehr schnell, was die erfolgsrelevanten Parameter waren. Was den Unterschied gemacht hat, war die konsequente Wiederholung des Plan Do Check Act – Zyklus, der in jedem Unternehmen funktioniert:

  • Plan: Planen mit dem, was man weiß.
  • Do: Umsetzen, auch wenn noch nicht alles klar ist.
  • Check: Konkret messen, was passiert.
  • Act: Korrigieren und von vorn beginnen.

 

So entstand schnell Klarheit, was die erfolgsrelevanten Parameter waren und die Entwicklung konnte zielgerichtet abgeschlossen werden. Wir haben mit dieser Vorgehensweise wertvolle Zeit gespart und waren schneller im Markt als der Wettbewerb.

Plan. Do. Check. Act.

Das ist keine Methode ausschließlich für technische Herausforderungen. Es ist ein anwendbares Grundprinzip für jeden Veränderungsprozess in Unternehmen. Wir können nie zu 100% die Ergebnisse unseres unternehmerischen Handelns vorhersehen. Aber es ist uns möglich, deren Auswirkungen zu beobachten, präzise zu messen und zu bewerten. Daraus lassen sich Korrekturmaßnahmen ableiten, um uns schneller unserem Ziel zu nähern.

Wer im Stillstand verharrt oder wartet, hat nichts zu korrigieren. Wer handelt, gewinnt mit jedem Durchlauf Klarheit und nähert sich seinem Ziel.

Was übertriebenes Planen wirklich kostet

Ich beobachte, dass in vielen Unternehmen versucht wird, möglichst ein Maximum an Wissen anzuhäufen. Das fühlt sich für viele Beteiligte produktiv an. Es ist aber nichts anderes als Aufschub mit gutem Gewissen. Wer analysiert, recherchiert und plant, hat das Gefühl zu arbeiten, ohne das Risiko einzugehen, Fehler zu machen.

Im Ergebnis verzögern sich Markteintritte, ohne dass das Produkt perfekt wird. Wettbewerber handeln derweil. Mitarbeitende verlieren Vertrauen in Entscheidungen, die nie fallen. Und die offenen Fragen, auf deren Beantwortung gehofft wird, klären sich ohnehin erst in der Umsetzung.

Wer auf 100% Klarheit wartet, zahlt mit dem Einzigen, was sich nicht zurückgewinnen lässt: Zeit.

 Der Segler, der kreuzt, wählt keinen einfachen Weg. Er wählt den Kurs, der unter den aktuellen Bedingungen am schnellsten ans Ziel führt. Er entscheidet sich bewusst für Fortschritt in Richtung seines Ziels. Unterwegs korrigiert er, um aus den vorherrschenden Bedingungen das Beste für sich herauszuholen.

Aus meiner Praxis als Unternehmer und Segler weiß ich, dass Veränderung, Verbesserung sowie Erkenntnisse am schnellsten in der Umsetzung und nicht durch eine umfangreiche, lange Planung entstehen.

Before you say you can’t do something …. TRY IT“Sakichi Toyoda, Gründer Toyota – Konzern

Meine drei wichtigsten Erkenntnisse:

 

  • Vollständige Planung ist eine Illusion. Mit 80% Klarheit starten, die restlichen 20% klären sich in der Umsetzung.
  • Do. Check. Act. Dieser Zyklus greift nur in der Umsetzung. Wer nicht umsetzt, macht keinen Fortschritt.
  • Wer auf vollständige Klarheit und Sicherheit hofft, zahlt mit unwiederbringlicher Zeit.

Drei Fragen für dich:

  • Welches Vorhaben liegt seit Monaten in deinem Unternehmen auf Eis? Was könnte sich im Tun schneller klären als am Schreibtisch?
  • Wo habt ihr nach dem ersten Rückschlag nicht nachgesteuert oder aufgegeben? Was fehlte: Mut, Messung, Konsequenz oder Zeit?
  • Wo bist du gerade selbst im Abwarte-Modus? Was fehlt dir für ein Go?

Was du jetzt tun kannst:

 

  • Benenne heute ein Vorhaben, das du gezielt mit 80% Klarheit startest. Schreib auf, was offen ist und schau, wie sich das in der Umsetzung klärt.
  • Wähle ein Projekt, das ins Stocken geraten ist. Vereinbare diese Woche einen Check-Termin: Was wurde gemessen, was weicht ab, wer korrigiert was bis wann? Gib den nächsten Schritt sofort in Auftrag.
  • Schreib in 2 Sätzen auf, was dich aufhält eine Entscheidung zu treffen. Klingt das nach Warten auf 100%? Wenn ja: Versuche es erst, bevor du sagst, dass es nicht geht. Sakichi Toyoda hat damit einen Weltkonzern aufgebaut.

Kostenloses Impuls- und Strategiegespräch

Kontaktiere Torsten Peschel für ein persönliches Gespräch.